#scarredwarrior

Eine Hashtag Aktion gegen die Narben Zensur von Instagram, Facebook & der Öffentlichkeit

Jeder von uns hat Narben – von Unfällen, Selbstverletzungen, Operationen, oder simple ausgedrückt dem Leben. Nicht alle sind sichtbar. Manche liegen im Verborgenen, unter der Kleidung oder der Haut. Narben gehören zum Leben, denn sie sind der Beweis von Erfahrungen, Geschichten und Fehlern. Die einen lernen aus ihnen, für andere sind sie eine Erinnerung, ein Mahnmal oder das Ende eines Kapitels. Wir tragen sie, sie sind ein Teil von uns. Jede hat eine Bedeutung und eine Story dahinter, egal ob gut oder böse. Für manche sind sie ein Zeichen des Überlebens, die Erinnerung dass sie kurz vor dem Abgrund standen und manche haben durch sie einen Neustart bekommen. Sie gehören zu uns und aus diesem Grund sollten wir sie zeigen dürfen!

Instagram zensiert neben Abbildungen von weiblichen Brustwarzen und Vaginas auch Narben. Kurioser und erschreckender Weise meist wenn sie im künstlerischen und informativen Zusammenhang verwendet werden. Gerade bei einem offensichtlichen Bezug zu Mental Health Themen. Zum Beispiel wenn man die jeweiligen Hashtags #scars #borderline #depression und #selfharm verwendet.

Ich bin durch Tumblr das erste Mal in Berührung mit der Verherrlichung von Selbstverletzungen gekommen. Damals stachelte es mich an, inspirierte und motivierte mich meinen Selbsthass auszuleben. Der Reiz ein Teil von etwas zu sein, mich nicht verstecken zu müssen und dass es anderen auch so geht. Das war extrem toxisch für mich und nun habe ich Jahre später immer noch mit dem Thema zu kämpfen. Im Rahmen der Verarbeitung und weil meine Psyche sich dieses Verhalten antrainiert hat. Es ist wie bei einer Abhängigkeit von Substanzen wie Alkohol und Drogen, du wirst dieses Thema in nie wieder los. Du wirst immer wieder den Drang verspüren, auch wenn du denkst das Kapitel ist schon lange beendet. Es ist ein konstanter Kampf mit den inneren Dämonen.

Aus diesem Grund sollte die Verherrlichung solcher Inhalte nicht stattfinden, sie zu romantisieren und Personen zum nachahmen anzuregen ist das Schlimmste was man machen kann – ABER: wir sollten aus diesem Grund nicht das Thema Selbstverletzung meiden.

Es ist so extrem wichtig darüber aufzuklären! Um Prävention zu betreiben aber auch Betroffenen zu helfen. In unserer Gesellschaft sind psychische Erkrankungen ein Tabuthema und es ist für viele Menschen verpönt sie öffentlich zu thematisieren. Aus diesem Grund schweigen viele über ihre Erkrankung, bleiben im Dunklen mit der Wahrheit und verstecken sich selbst. Dass dies einen enormen Druck für Erkrankte darstellt, wollen die wenigsten wahrhaben. Doch es gibt auch Menschen, die es nicht vor der Öffentlichkeit verbergen können, denn ihr Körper trägt Narben davon.

In der Bahn wird getuschelt, wenn die Oberschenkel zum Vorschein kommen, Arbeitgeber starren auf die Unterarme und Bekannte fragen weshalb man bei 40°C eine lange Hose trägt. Täglich wird man immer wieder an seine Fehler und dunklen Zeiten erinnert. Und da dies nicht schon zermürbend genug ist, drückt einem die Gesellschaft noch einen Stempel auf. Man kämpft mit Vorurteilen und Bewertungen, Vorwürfen und Selbsthass und mit meist auch mit den Tränen. Es ist extrem schwer seinen Körper zu lieben und zu akzeptieren, wenn die Gesellschaft es einem durch ihre Vorurteile und Unwissenheit noch schwerer macht. Denn diese Unwissenheit führt auch dazu, dass Menschen dieses Thema meiden.

Wir sollten darüber reden und aufklären dürfen! Prävention betreiben, die Vorurteile enthebeln und wir selbst sein dürfen! Und dazu gehört auch, dass wir unseren Körper zeigen dürfen, wie er ist. Egal ob in der Realität oder der Online-Welt. Wir müssen offener und sensibler für dieses Thema werden. Wir müssen darüber reden!

Aus diesem Grund möchte ich unter dem Hashtag #scarredwarrior zeigen, dass dieses Thema mehr Gehör finden muss. Menschen ermutigen zu sich selbst zu stehen, ihren Körper mit seinen Narben zu akzeptieren und die Geschichte dahinter zu erzählen. Zeigen, dass die Darstellung von Narben nicht sofort eine Verherrlichung sein muss. Wir müssen sensibler mit dem Thema umgehen ohne es dabei zu vermeiden. Es muss Gehör finden und das funktioniert einfach nicht wenn es sofort zensiert wird sobald die Thematik aufkommt.

Wir müssen vorsichtiger mit selbstverletzenden Verhalten umgehen

Ich möchte, dass Menschen zwei Mal überlegen bevor sie ein Bild melden. Darauf achten in welchem Kontext es steht und ob es wirklich eine Verherrlichung ist. Wenn die Person sich oder andere offensichtlich gefährdet muss man eingreifen, keine Frage. Doch wir sollten auf die Umgangsweise mit der Thematik achten. Wie es dargestellt wird, was dazu gesagt wird und welcher Ton angeschlagen wird. Ich möchte dass wir lernen sensibler damit umzugehen.

Also teilt den Hashtag #scarredwarrior

Erzählt eure Geschichte, zeigt dass ihr Kämpfer seid. Wir haben überlebt, wir sind hier und unsere Stimmen sind wichtig. Jeder, der offener über seine mental Gesundheit redet hilft das Stigma immer mehr abzubauen.

Wir sind viele! In Deutschland sind 17,8 Millionen Menschen von psychischen Erkrankungen betroffen. (Hier eine sehr Interessante Statistik zu Zahlen und Fakten). Trotzdem ist es immer noch ein riesen Tabuthema und die Zensur dieser Inhalte treibt das nur weiter an. Viele von uns kämpfen täglich mit Vorurteilen und dem Stigma, welches eine psychische Erkrankung mit sich bringt. Selbst in eigentlichen Safespaces wie Kliniken, Therapeuten Zimmern und anderen Hilfsangeboten erlebt mensch sie. Einfach weil vorgefertigte Bilder in den Köpfen der Menschen eingebrannt sind. Doch jeder Erkrankte ist anders, jeder hat eine eigene Geschichte zu erzählen und diese sollte gehört werden.


Wir sind nicht alleine! Wir sind gut und liebenswert! Wir haben ein Recht darauf unsere Geschichte zu erzählen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.