Der erste Termin beim Therapeuten

Wenn man an dem Punkt angekommen ist, dass man selbst weiß das Hilfe von Außen erforderlich ist, fängt ein neues Kapitel an. Man begibt sich auf die Suche nach einem passenden Therapeuten* und muss dann das erste Mal mit einer fremden Person über seinen Zustand reden. Wie dies abläuft um dem Ganzen etwas die Furch zu nehmen, werde ich in diesem Artikel beschreiben. 

An diesem Punkt solltest du schon den Entschluss gefasst haben dir Hilfe zu suchen oder du spielst schon mit dem Gedanken. Es ist total normal, dass man sich vorher Informationen einholt, gerade wenn man sich unsicher ist ob man Therapie braucht. In diesem Post habe ich alles zum Thema wie man Hilfe bekommt und was Anzeichen dafür wären, aufgeschrieben. Allgemein sage ich aber auch immer das es besser ist lieber einmal zu viel seine Probleme und Bedenken bei einem Arzt/ einer Beratungsstelle vorzustellen, als dass man es mit sich herum trägt und man darunter leidet. 

Wenn du dich dafür entschlossen hast in Therapie zu gehen, sprich mit deinem Hausarzt oder behandelnden Psychiater über deine Vorstellungen. Was du gerne an Hilfe hättest oder in welchem Umfang du dir das vorstellen könntest. Für manche passt eine normale Gesprächstherapie mit Terminen in der Woche am besten, andere brauchen intensivere Unterstützung und sollten einen teil-/stationären Aufenthalt in Betracht ziehen. Zu meinen eigenen Erfahrungen mit diesen Aufenthalten in Kliniken habe ich ein Video gemacht in dem ich davon berichte. Dieses findet man hier. 

Nach diesem Gespräch und dem Rat der Person, kannst du deinen Arzt oder Berater nach Empfehlungen für passende Therapeuten fragen. Meist wissen diese wer mit so einem Krankheitsbild Erfahrungen hat. Wenn dein Arzt dir nicht weiterhelfen kann, kannst du dich auf der Seite des Kassenärztlichenvereinigung deines Bundeslandes informieren oder auf deren landesweiten Seite (hier). Dann geht leider erst einmal das telefonieren los. Manche Therapeuten bieten auch Anfragen via Mail an, was vielen den Weg erleichtert. 

Wenn man einen Therapeuten gefunden hat und man einen Ersttermin vereinbart hat, geht die Angst los. Was passiert da? Was ist wenn es nicht passt? Was erzähle ich alles? 

Es gibt zwei Arten von Erstgesprächen – die einen sind eher formale Abklärungen, die anderen sind ein erstes Kennenlernen. Der Therapeut wird dir ein paar Fragen stellen, deine Daten aufnehmen und sich Notizen zu dir machen. Lasse dich davon nicht verunsichern, das ist etwas ganz normales. Ob er viel oder wenig aufschreibt, hat nichts mit dir zu tun. Ich hatte auch oft die Gedanken, wenn jemand viel aufgeschrieben hat was für ein schlimmer Fall ich bin. Aber das hat absolut nichts damit zu tun, manche Therapeuten merken sich mehr so, andere schreiben sich zur Erinnerung Sachen mit. Wenn es dich sehr verunsichert frage einfach nach, was er notiert und wieso. Viele Therapeuten erklären dir auch zu Beginn des Gespräches etwas zu ihren Aufzeichnungen und was mit deinen Daten passiert. Wenn dies nicht passiert frage nach. 

Einen Leitsatz den ich jedem mitgeben möchte – du erzählst was du erzählen möchtest. Auf die Frage “Was führt sie her?” kann man Situationen schildern, Symptome nennen oder gar eine Diagnose. Da gibt es kein Richtig oder Falsch. Ich habe ein paar Mal die Erfahrung gemacht, dass Therapeuten nicht die größten Fans von nackten Diagnosen sind. Deshalb erkläre ich dazu immer, wie sich das auf mein Leben oder meinen Alltag auswirkt. 

Etwas was ich jedem nur ans Herz lege ist Ehrlichkeit. Zu dem Therapeuten aber auch zu sich selbst. Wenn man etwas verschweigt, weil es einem unangenehm ist, nimmt man sich selbst die Chance dabei Hilfe zu bekommen. Sei ehrlich über deinen Drogenkonsum, selbst verletzendes Verhalten oder andere dir sehr private Themen. Denn so weiß dein Gegenüber womit er es zu tun hat und kann dir seine Hilfe im vollen Maße zukommen lassen. Ohne dass du weitere Problemchen mit dir herum trägst und als Extra in deinem Kopf betrachtest. 

Der Therapeut wird dich nach bestimmten Situationen oder Verhaltensweisen fragen um sich ein besseres Bild von dir zu machen. Gib ihm so viele Informationen wie möglich. Aber nur soweit du möchtest. Alles liegt in deiner Hand, wenn du dich unwohl dabei fühlst kommuniziere es. Du musst nichts über dich ergehen lassen aus Angst dann keine Hilfe zu bekommen. Wenn du das Gefühl hast, dass es zwischen dir und dem Therapeuten nicht stimmt, dann scheue dich nicht nach einem neuen zu suchen. Denn die Therapie kann nur funktionieren, wenn du dich wohl fühlst deinem Gegenüber alles zu erzählen und dabei keine Bedenken hast. 

Wenn du viele verschiedene Themen hast um die es bei dir geht, setze dich ein paar Tage zuvor hin und schreibe dir eine List mit den Dingen, die du ansprechen möchtest. Das habe ich auch oft für die folgenden Sitzungen gemacht. Manchmal weicht dann das Thema während der Sitzung ab, aber du weißt was du gerne behandeln möchtest mit dem Therapeuten. Oft wird auch die Frage nach einem Ziel gestellt, das ist auch etwas worüber du dir im Vorfeld schon Gedanken machen kannst. Was möchtest du durch die Therapie erreichen? Das kann alles mögliche sein – eine Beziehung führen, mit seinen Ängsten umgehen, aus der Depression zu kommen oder den Alltag wieder bestreiten zu können. 

Das sind alles ein paar Hinweise, die dir den Ablauf des ersten Gespräches vereinfachen sollen. Das Gespräch liegt in deiner Hand, du darfst es gestalten, wie du möchtest. Ich hoffe ich konnte dir mit diesem Post ein bisschen die Angst davor nehmen. 

Wenn du das Gefühl hast, dass du akut Hilfe brauchst und nicht auf einen Termin bei einem Therapeuten warten kannst, schaue dir diese Hinweise & Anlaufstellen für Krisenfälle an – hier

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