Wie erkläre ich Angehörigen, dass ich erkrankt bin?

Ich bekomme öfter die Frage gestellt, wie man seinen Freunden & Familie davon erzählt dass man erkrankt ist. Das ist ein ziemlich schwieriges Thema, mit dem sich jeder einmal in seiner Recovery auseinander setzen muss. 

Zu Beginn ist es schwer sich mit der Thematik alleine auseinander zusetzen, gerade wenn man die Diagnose erst frisch bekommen hat. Aber aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass es immer hilft seine Lieben einzuweihen. Denn man muss mit seinen Problemen nicht alleine da stehen, man kann darüber reden, seine Gefühle rauslassen und einfach Schutz suchen. Mir hat es in den vergangenen Jahren sehr geholfen offen mit meinem Umfeld über meine Erkrankungen und Gefühle zu reden. Man fühlt sich weniger alleine und man bekommt Verständnis entgegen gebracht. Auch wenn man das zu Beginn vielleicht nicht erwartet. 

 

Erklärungen sind das A&O

Ich habe gelernt in den letzten Jahren, dass es am wichtigsten ist seinen Angehörigen zu erklären, was in dir vorgeht. Natürlich darf man nicht davon ausgehen dass jeder es sofort versteht. Jeder Mensch ist anders, so geht auch jeder anders mit diesen  Umständen um. Aber man sollte sich davon nicht abschrecken lassen. Denn man kann nur Hilfe und Verständnis erfahren, wenn man andere einweiht und ihnen sagt was gerade los ist. Ich vergleich es oft mit bekannten Erkrankungen, wie beispielsweise einem Beinbruch. Natürlich sind psychische Erkrankungen nicht auf diese Art und Weise zu heilen, aber die Verbildlichung hilf beim Verständnis. Eine Depression ist es etwas anderes als ein Beinbruch aber genauso eine Erkrankung, die ärztliche Hilfe braucht. Wenn du bemerkst, dass dein Bein dauerhaft schmerzt gehst du zu einem Arzt, dieser leitet dich weiter an den passenden Arzt, der dich dann operiert oder dir hilft damit umzugehen. Das ist im Fall einer psychischen Erkrankung ein Psychiater, dieser gibt dir einen ersten Plan, wie es mit dir weiter geht und versorgt dich mit lindernden Medikamenten. Danach leitet er dich weiter zu einem Psychotherapeuten, der dir hilft im Alltag mit deiner Erkrankung umzugehen. Im Beispiel des Beinbruchs ist es Physiotherapeut, der dir hilft mit deinem Schmerz und den Folgen des Bruchs deinen Alltag zu bestreiten. Es dauert bei psych. Erkrankungen natürlich länger bis man wieder fit ist und man sollte nicht davon ausgehen komplett “geheilt” zu werden. Doch hilft es manchmal es so zu verbildlichen. Man braucht Hilfe von Außen um mit seiner Erkrankung umzugehen und diese ist nichts weniger schlimmes als eine physische Erkrankung. Das sollte man immer im Kopf behalten. 

Meist hilft es Angehörigen, wenn du ihnen deine Story erzählst. In dem Rahmen, wie dir das lieb ist. Sie können so besser nachvollziehen woher es kommt oder wieso es gerade so schlimm ist. Du musst nichts erzählen, was du nicht willst. Du bestimmst selber wer was über deine Erkrankung weiß. Aber es hilft offen zu sein und nicht zu viel zu verschweigen. Denn nur so kannst du Verständnis und Hilfe erfahren. 

Fakten Helfen

Informiere dich selbst über deine Erkrankung und gib dieses Wissen weiter. Oft hilft es im Umgang damit Wissen über das zu haben, was in einem vorgeht. Mir hat es selbst sehr geholfen mich nach meiner Borderline Diagnose über die Erkrankung zu informieren, wie kann sie entstehen, was sind gängige Symptome und welche Defizite stellen sie im Alltag dar. Dieses Wissen hat mir sehr geholfen besser zu verstehen, was in mir vorgeht und dies auch anderen erklären zu können. Du kannst Freunden & Familie Texte weiterleiten, auch Erfahrungsberichte. So können sie besser nachvollziehen, wie es anderen Erkrankten geht und wie diese damit umgehen. Manchmal hilft es Angehörigen auch zu wissen, dass es nicht nur dir so geht sondern auch viele Andere mit dieser Erkrankung zu kämpfen haben. Man kann aus den Erfahrungen von Anderen auch Wissen ziehen und lernen wie man dem anderen helfen kann. 

 

Sage was du brauchst

Oft fühlen sich Angehörige hilflos und wissen nicht wie sie mit dir umgehen sollen. Die Angst etwas falsch zu machen ist in jedem irgendwo verankert, besonders in neuen Situationen. Deshalb sei offen zu deinen Lieben und sage ihnen, wie sie dir helfen können. Gib ihnen Tipps wie sie mit dir umgehen sollen, was dir gut tut oder was du nicht so sehr magst. So wissen beide Parteien woran sie sind und man kann sich gegenseitig helfen und Missverständnissen aus dem Weg gehen. Sage ihnen wie du empfindest und was dir gerade gut tut würde. Genauso gilt dies auch für Außenstehende, Nachfragen ist nichts schlimmes. 

 

Selbsthilfe Gruppen / Rat

Es gibt für jeden Hilfegruppen, nicht nur für Erkrankte sondern auch für Angehörige. Informiere dich über Angebote in deiner Umgebung, meist bieten Psychiatrische Krankenhäuser solche Gruppen oder Sprechzeiten für Angehörige an. Dort können sie sich mit anderen austauschen, von einander lernen und besser verstehen, was in einem Erkrankten vorgeht oder vor welchen Problemen dieser steht. Auch Angeörigen hilft es nicht alleine zusein und sich austauschen zu können. Sucht vielleicht zusammen nach Angeboten oder fragt bei deinem betreuenden Arzt/Therapeuten nach einer Sitzung mit deinen Angehörigen um ihnen deine Erkrankung erklären zu lassen von einer Person vom Fach. 

Dies sind nur ein paar Hinweise, die ich aus meiner Erfahrung geben kann. Ihr könnt mir in den Kommentaren gerne weitere Hinweise, Ratschläge oder Tipps da lassen für den Umgang mit Angehörigen. 

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