Music Matters – Carlo von Their Decay

Im Sommer hatte ich mich mit dem Sänger von Their Decay, Carlo zusammengesetzt um mit ihm ein Interview zur Music Matters Reihe zuführen. Seit dem Sommer ist nun eine Menge passiert, die Band löste sich vor wenigen Wochen auf und Carlo wandelt nun auf Solo-Pfaden. Trotzallem wollte ich euch das Interview nicht vorenthalten. Aber lest selbst.

 

Wie kam es dazu dass du Lust hattest Musik zu machen?

Uh das hat bei uns ziemlich früh angefangen. Was einige nicht wissen ich habe als Schlagzeuger bei Their Decay angefangen. Der Lindt (Gitarrist) hat damals Gitarre gespielt und gesungen. Ich weiß gar nicht genau wo das mit dem Schlagzeug spielen herkam. Ich hatte meine ganze Kindheit über nur Fußball im Kopf und habe es richtig geliebt. Irgendwann hatte ich da keine Lust mehr drauf, dann kamen Bands wie Limp Bizkit und Bullet For My Valentine. Ich bin wie alle über Linkin Park auf Musik gestoßen und dann kamen diese Bands dazu. Bullet war für mich der erste Schritt in Richtung Metalcore. Das erste Mal Double-Base hat mich total geflasht. Daraufhin habe ich dann angefangen Schlagzeug zu lernen. Mit Niggi (ehem. Gitarrist) und Lindt hab ich zusammen vorher schon Fußball gespielt, daher waren wir schon befreundet. Da war das dann so dass wir uns dachten “Lass mal Musik zusammen machen” ,der kann das und der kennt noch einen Bassisten und dann kam das eine zum anderen.

So wurde Their Decay gegründet?

Genau, dann haben wir bei meinen Eltern im Haus in der Einliegerwohnung angefangen zu proben. Mit Billig Verstärkern mit Radioempfang und allem. Dann kam meine Faulheit wieder ins Spiel. Ich bin halt sau faul und habe immer Teile von meinen Drums, wie die Becken verloren oder kaputt gemacht. Und so kam ich dann zum Gesang. Ich hab Jahre zuvor daheim schon versucht zu Screamen und dachte mir auch bei Gigs immer schon dass es viel geiler wäre zu Screamen anstatt an den Drums zu sitzen. Da kam es dann an einem Abend zu dem Gespräch, dass es mit mir und den Drums echt ätzend ist und da fragten die Jungs “Willst du lieber singen? Sonst bist du raus” und so wurde aus mir der Sänger. Dann kam noch der Murch an den Drums dazu und dann hatte alles gepasst. So alles in allem war Limp Bizkit der Anfang von allem.

Okay und wie kamst du dann damit klar plötzlich der Mittelpunkt von allem zu sein als Sänger?

Ganz ehrlich, ich liebe dieses Gefühl. Ich liebe das alles, Bandleben und Musik machen. Geld ist mir dabei komplett egal. Ich finde die Prestige, die man als Sänger hat super gut. Für mich ist es wichtiger wenn Leute beim Auftritt einfach sagen “Boah der ist krass!” Das ist das beste Gefühl für mich. Ich kompensiere vielleicht da auch etwas. Ich bin privat eher schüchtern und zurückhaltend aber auf der Bühne lasse ich die Sau raus. Manchmal bin ich auch auf der Bühne natürlicher als bei manchen Gesprächen im Reallife. Das ist ganz verrückt.

Wie kommst du dann mit dem Gefühl klar, nach dem Gig wieder in den Normalen-Carlo zurück zufallen? Du wirst 30-60 Minuten lang auf der Bühne gefeiert, lässt alles raus und dann stehst du als normaler Mensch wieder vor der Bühne. Wie kommst du damit

Zurecht?

Das ist für mich jetzt nicht so das Problem. Für mich ist es wichtiger auf der Bühne einen Eindruck zu hinterlassen beim Publikum. Dass sie wissen wer ich bin und was ich kann. Es ist wie als wärst du Architekt, du hast etwas gebaut was da ist und die Leute vergessen es nicht und verbinden es immer mit dir.

Ihr seid ja mit Their Decay nun schon gut umher getourt, wie ist das für dich dieser Ausbruch aus dem Alltag?

Am liebsten wäre das mein Normales Leben, ich mag es sehr einfach auszusteigen, wohin zufahren und dann auf der Bühne zu stehen. Ich sag dann auch immer “endlich mal normale Leute” wenn wir bei Gigs sind. Meiner Meinung nach braucht jeder so einen Ausbruch aus dem Alltag, etwas worauf du dich freust, wenn dein Leben schon scheiße ist.

Wo wir gerade beim Ausbruch sind, ist die Musik für dich eine Flucht von etwas oder Ausdruck der Gefühle?

Das Ding ist bei mir, wenn man sich die Lyrics durchliest und mich privat kennt, kommt einem alles richtig hart fake vor. Weil die Songs halt krass depressiv und böse sind. Aber es ist das ganze Gegenteil. Die Musik ist für mich der Ort an dem ich das alles rauslasse. Deshalb kann ich im normalen Leben so gut drauf sein und lässig. Weil ich den ganzen Wut, Hass & Ärger in meinen Texten rauslasse. Da bringe ich mich um, da bringe ich andere um. Da lasse ich alles raus. Da bin ich echt und ohne diesen Filter könnte ich im Alltag gar nicht klar kommen. Ich brauche das einfach, wenn ich das nicht hätte müsste ich kickboxen oder so.

Gibt es dann etwas, gerade psychisch womit du in deinem musikalischen Sein zu hadern hast?

Ironischerweise ja, wenn ich mir meinen Lyrics manchmal so anschaue und sehe dass man da ganz viel reininterpretieren könnte über meinen Zustand. Man muss bedenken, man legt sein Herz in die Musik und manchmal übertreibt man auch. Damit die Menschen es verstehen, verbildlicht. Aber mich interessiert es nicht was wer darin sieht. Denn Musik ist mein Ort an dem ich alles rauslasse und ich bin halt ein Mensch der Extreme.

Hast du da auch schon mal Reaktionen darauf gehabt, dass Menschen sagen sie finden sich in deinen Lyrics wieder?

Ja klar. Mehrere kamen schon zu mir und meinten beispielsweise bei “Sick”. Da haben Menschen gesagt dass sie nicht wüssten ob sie noch hier wären, gäbe es den Track nicht. Und das ist schon ein krasses Gefühl.

 

Das war auch schon das kurze Interview mit Carlo. Nochmal vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast.

Wenn ihr mehr von Carlo erfahren wollt, dann behaltet mal seine Facebook-Seite im Auge. Da kommt vielleicht bald mehr musikalisches von ihm.

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