Zwischen Innen und Außen – Austellung

Heute gibt es einen Austellungs-Tipp mit Hintergrundwissen zu den Iniitatorinnen Paula Charlotte & Eva Maria – Zwischen Innen und Außen – künstlerische Arbeiten zu den Themen Körper, Gesellschaft und Psyche

 

Eva Maria Großmann ist Fotografin aus Berlin und beschäftigt sich online und offline viel mit intersektionalem Feminismus und sozialer Gerechtigkeit. Außerdem versucht sie mit ihrer Arbeit die Stigmatisierung psychischer Krankheiten aufzubrechen.

 

Paula über Eva:

Kennengelernt habe ich Eva, als sie zu Gast bei einer von einem Freund und mir veranstalteten 

Podiumsdiskussion war. Das Thema war „Männer und Feminismus“, und ich wusste nur vage, was mich von Evas Seite als Diskussionsteilnehmerin erwartete, hatte ich doch nur das übliche, gelegentliche Instagram-stalking als Basis meines Eindrucks über sie. Was ich auf ihren Account erlebte und immer noch erlebe: Da ist viel Ehrlichkeit. Da ist raue, sanfte, ängstliche, mutige, zerbrechliche und inspirierende Ehrlichkeit. Da ist ein Mensch, der sich intensiv und reflektiert mit Politik, sich selbst, der eigenen Erkrankung und Schönheitsnormen auseinander setzt. Ein Mensch, der der Welt mit ihren (vor allem für Frauen und marginalisierte Gruppen) miesen Stolperfallen immer mal den Mittelfinger zeigt und deutlich die Meinung sagt. Da ist ein Mensch, der ganz klar und ohne Filter über die eigene psychische Erkrankung spricht. Ich war beeindruckt. Weniger ein „wow, what a woman“ als vielmehr ein warmes Gefühl, was sich in mir ausbreitet, wenn ich ihre Bilder anschaue. Ein Gefühl der Verbundenheit, weil sie es schafft, einzufangen, wie ich mich auch so oft fühle: Irgendwie überfordert von der Welt, von mir selbst, aber auch bei mir mit dem Wunsch, mich zu entwickeln.

Als ich Eva dann in der Podiumsdiskussion erlebte kam dann der „wow, what a woman“ – Hammer. Verletzlich, ja. All that radical softness-Stuff, ja. Aber auch: In your face, patriarchy. Ich hab Eva als eine bedachte, intelligente und standfeste Frau in dieser Diskussion erlebt und sie hat mich und mit Sicherheit auch viele andere dazu inspiriert, über manche Dinge nochmal genauer nachzudenken.

Sie fuhr wieder nach Berlin, das Instagram-Leben ging weiter. Mehr und mehr beeindruckte mich, wie ausführlich und differenziert sie politische Themen und Geschehnisse besprach, wie sie dabei immer im Fokus hatte: Ich habe eine psychische Erkrankung und das muss ich immer mit denken. Sie teilt ihre Routinen, ihre Tiefs und Hochs, ihre Gedanken und ihre Sanftheit sowie ihre Härte und Stärke. Da sind Bilder in sanften, kühlen Farben, da ist viel Traurigkeit. Aber da ist keine Grunge-Instagram-aufbereitete Traurigkeit. Da ist so viel Ehrlichkeit, dass es manchmal auch weh tut, hinzuschauen. Vor allem, wenn man sich selbst darin so gut wiederfindet. Aber da ist eben auch noch etwas anderes: Da ist eine junge Frau, die sich dem Ganzen stellt. Die manchmal zwei Schritte zurück geht, aber eben auch oft kleine Schritte vor. Manchmal bemerkt sie das explizit, manchmal passiert es einfach so. Manchmal erlebt man es gemeinsam, manchmal nicht. So wie im real life eben, nur dass es eine Seltenheit ist, diese Form der Ehrlichkeit in sozialen Medien zu finden. Und nicht nur das: Als wir anfingen, zusammen zu arbeiten und mehr Kontakt abseits von Instagram hatten stellte ich fest: Eva hat trotz allem immer ein offenes Ohr. Sie spricht bedacht über die Belange anderer, hört zu und gibt mir nie das Gefühl, zu viel zu sein, ungerechtfertigte Emotionen zu erleben oder nicht auch mal Scheitern oder etwas falsch machen zu dürfen.

Für das, was sie in die Welt trägt, und das, was sie mir gibt, bin ich ihr unendlich dankbar.

Paula Charlotte lebt und studiert in Leipzig.
Ihre Fotografie konzentriert  sich auf die Menschen in ihrer Umgebung konzentriert und fängt Lichtharmonien ein. Ihre Texte beschäftigen sich mit Emotionen, Selbstwahrnehmung und Körperliebe sowie Feminismus.

Die Fotoreihe „pure bodies“ ist eine fortlaufende Serie, die Teile von Körpern abbildet, welche normalerweise verdeckt sind und mit der Tabuisierung und Sexualisierung nackter Haut brechen will sowie den Gedanken verfolgt, jeder Körper ist schön, unretouchiert und – pur. Nackte Haut im stillen Raum, natürlich, bloß. Erweckt das in uns ein Gefühl? Vermittelt das einen gänzlich anderen Eindruck als der Blick ins Gesicht eben jenes Menschen?

 

Eva über Paula:

Ich hab Paula im Frühling kennen gelernt, als ich zu einer Podiumsdiskussion eingeladen wurde. Das Thema der Podiumsdiskussion war “Männer und Feminismus”, und Paula war eine der Organisator.innen. Am Tag nach der Diskussion hab ich auf Instagram erzählt, dass ich mir erst Sorgen um mein Outfit gemacht hatte, weil es körperbetont war, ein kurzes Kleid, und ich nicht wusste, ob ich mich live vor so vielen Menschen auf einer Bühne so zeigen will, kann, soll. Weil ich keine Modelmaße habe, weil auch ich, obwohl eher am unteren Rand der Übergewichts, und auch sonst mit einem sehr privilegierten Körper, dachte und oft noch denke, dass ich meinen Körper nicht richtig zeigen darf. Und es dann doch getan habe, und es gut war.

Paula erzählte darauf hin, dass ihr während der Diskussion viel zu warm war, weil sie sich für ein Outfit entschieden hatte, dass nicht viel Körper zeigt, aus genau derselben Angst. Das war eine Randnotiz in den Erfahrungen die ich aus dieser Diskussion mitgenommen habe, aber eine irgendwie wichtige, die sich bei mir schon damals festgebohrt hat, und mich mit Paula verbunden hat.

Dass Paula dann bald anfing Körper zu fotografieren, Körper in allen Formen, war irgendwie so natürlich, dass ich mich gar nicht mehr an den Anfang erinnern kann, und in meinem Kopf hat sie das schon immer gemacht.

Ich bin jemand, die nicht so gut andere Menschen fotografieren kann. Das hat viel mit Schüchternheit zu tun, und sicher auch damit, dass Fotografie für mich oft ein mich-selbst-sezieren ist, und ich das mit anderen Menschen nicht machen kann, oder möchte. Meine Fotografien drehen sich oft um mich und mein Gefühl, was sich manchmal etwas egozentrisch anfühlt, und vielleicht teilweise auch so gelesen wird. meine Fotografie soll aber nur ein Beispiel sein, für viele Leute, die so fühlen wie ich. Oder auch eine Nachricht an Leute, die nie Depressionen oder ähnliches hatten, und die vielleicht ein bisschen mehr dieses Gefühl der Schwere verstehen können, wenn sie meine Bilder sehen.

Paulas Arbeit ist ähnlich verbindend, aber auf eine ganz andere Art und Weise. Sie gibt Menschen einen Raum, den sie sonst selten bis gar nicht bekommen. Sie stellt eine Gleichheit her zwischen den verschiedenen Körpern, in der Art, in der sie diese fotografiert. Mit einem Licht, und einer Behutsamkeit. Ihre Fotos fühlen sich für mich an wie ein vorsichtiges aber liebevolles Tasten. Und gleichzeitig vergisst sie nicht, festzustellen, dass in unserer Gesellschaft Körper leider nicht gleich behandelt werden. Je nach Gewicht, Geschlecht, Hautfarbe, Proportion, Hautmerkmalen, und noch tausend anderen Kategorien, wird eingeteilt. In besser und schlechter. Als ob das Sinn macht. Paulas Arbeit ist für mich deswegen eine positive Gleichmacherei, die nicht von Privilegien ablenkt. Mir ist es wichtig, mit Menschen zusammen zu arbeiten, die ähnliche politische Vorstellungen wie ich haben. Als Paula einmal ein Projekt mit jemand anderem plante, und ich das kritisch sah, weil ich die andere Person in einigen Dingen problematisch fand, konnte ich ihr das sagen. Und sie nahm meine Meinung ernst, und am Ende kam diese Zusammenarbeit, nicht nur wegen mir, nicht zustande. Das mag jetzt sehr negativ klingen, aber das war eine sehr positive Erfahrung für mich – sich mit nahestehenden Künstler.innen auseinander setzen und auch politisch kritisieren zu dürfen, ohne dass es zu vorschnellen Abwehrreaktionen kommt, sondern im Gegenteil, ein Zuhören, Überlegen, gemeinsam neue Denkanstöße bekommen. Das ist auch das was ich mit ihrer Arbeit verbinde. Eine Behutsamkeit, die aber nicht ängstlich ist, im Gegenteil, die sehr stark ist.

Während der Planung der Ausstellung fingen wir an, uns Sprachnachrichten zu schicken, die immer länger wurden, weil wir uns immer mehr auch über unseren Alltag, und die Schwere die manchmal, manchmal auch oft, darauf liegt, austauschten. Und dass wir diese Schwere oft teilen, so zermürbend das ist, ist auch etwas, was mich noch froher macht diese Ausstellung zu machen. Weil ich merke, wir sind nicht zwei einzelne Menschen, die gemeinsam eine Ausstellung machen, und irgendwie passt das Thema irgendwo zusammen. Sondern: es ist oft ein und dieselbe Sache, die in den Fotos steckt, nur unterschiedlich ausgesprochen. Aber die Gefühle überschneiden sich, oft. Und jemanden zu finden, die vollstes Verständnis hat wenn man mit der Arbeit an einem gemeinsamen Projekt hinterher hinkt, weil die Depression mal wieder zugeschlagen hat, ist dann sowas wie das Sahnehäubchen oben drauf.

 

Hier gehts zur Veranstaltung <

Eva Maria Großmann
Paula Charlotte Kittelmann 
– Fotografie

2/11/18 
7pm
Vernissage mit Künstlerinnengespräch

3/11/18
7pm
Agnes Nguyen – partizipative Installation
8pm
Janjan Darling aka Jaqueline BoomBoom – Music Performance
Party 9pm 
enelRAM (G-Edit, nice 4 what / Disco)
Christal (Kazimir / Seance)
Janthe (Chelsea Hotel / Techno/Leftfield

LINKS NEBEN DER TANKE
Lützner Straße 7 / Leipzig

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