Mental Health Warrior – Lina ist Borderlinerin

Der Begriff  “Mental Health Warrior” schwirrt seit einer Weile schon im Netz umher. In einem Interview erklärte ich meine Sichtweise zu diesem Begriff als Widerspiegelung erkrankt zu sein, aber in einem starken Sinne. Eine mentale Krankheit ist immer ein Kampf. Und die Rolle als Kämpfer_in sehe ich darin, diesen Kampf aufrecht und selbständig nach außen zu tragen und damit anderen zu helfen. In den Tiefen des Internets bin ich jedoch nicht die einzige Person, die sich dieser Aufgabe gewidmet hat. Deshalb möchte ich in der Reihe “Mental Health Warrior“ weitere Persönlichkeiten vorstellen, die ihre Internetpräsenz zur Entstigmatisierung und Aufklärung über mentale Erkrankungen nutzen.
 
Heute ist Lina aka @riotgrrlx an der Reihe:
 
Hallo ihr Lieben! Ich heiße Lina, bin 20 Jahre alt, lebe in Berlin, mache derzeit eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin und fange diesen Text jetzt bestimmt schon zum zwanzigsten Mal an.

Seit ich meine Diagnose habe, will ich darüber schreiben und immer wieder sitze ich nach ein paar Absätzen fast weinend vor meinem Laptop und finde keine Worte.

Welche Diagnose?

Ich habe eine Borderline Persönlichkeitsstörung, die mich mein ganzes Leben lang begleiten wird. Und die auch schon eine lange Zeit einfach da war und manchmal mehr, manchmal weniger gewachsen ist. Die sich von den schlimmen Dingen, die mir passiert sind ernährt hat und die diese Dinge gleichzeitig ausgelöst und vorangetrieben hat. Wie ein Parasit. So sah ich meine Krankheit zumindest lange. Durch sie sind viele meiner (romantischen) Beziehungen zu Bruch gegangen, oder ich bin Beziehungen zu Menschen, die mir eigentlich nicht gut tun, überhaupt erst eingegangen. Durch sie habe ich mein Studium abgebrochen und durch sie habe ich mich selbst sowohl physisch als auch psychisch verletzt.

Die Diagnose habe ich jetzt seit etwa 1 ½ Jahren. Zu diesem Zeitpunkt habe ich mit der Therapie angefangen, weil ich an einem absoluten Tiefpunkt in meinem Leben angekommen war. Ich war sehr depressiv, mein Alltag war von Panikattacken und Angstzuständen geprägt und ich habe es manchmal tagelang nicht aus dem Bett geschafft. Mein Studium habe ich dermaßen schleifen lassen, dass ich schließlich gar nicht mehr zur Uni gegangen bin. Ich wusste nicht wohin mit mir, fühlte mich nirgendwo zugehörig und konnte mich mit keiner Vorstellung meiner Zukunft identifizieren, außer mit der, dass es für mich keine Zukunft geben würde.

Die Therapie gab mir dann neue Hoffnung und neue Perspektiven. Ich begann mein impulsives Verhalten zu reflektieren, meinem Leben Struktur und Ordnung zu geben, zog aus meiner alten Wohnung in eine WG, sprach viel mit Freunden und fing schließlich ein Praktikum in der Pflege an, das mir so gut gefiel, dass ich beschloss die Ausbildung anzufangen.

Aber auch heute, wo es mir so viel besser geht, lebe ich jeden Tag mit meiner Krankheit. Sie äußert sich besonders durch impulsives Verhalten, das ich teilweise immer noch nicht kontrollieren kann, extreme Emotionalität, manchmal Depressionen und auch Schwierigkeiten Beziehungen zu anderen Menschen zu gestalten. An den meisten Tagen komme ich gut damit zurecht, aber manchmal zerfrisst mich meine innere Leere und der Selbsthass regelrecht.

“Ich gehe mit meiner Krankheit sehr offen um”

Was mir an solchen Tagen besonders hilft, ist es über meine Probleme zu reden. Ich gehe mit meiner Krankheit sehr offen um, erzähle den meisten Menschen recht früh von meiner Diagnose und rede bzw. schreibe mir auch öffentlich auf Instagram den Frust von der Seele. Dadurch trage ich kaum noch emotionalen Ballast mit mir herum und das fühlt sich wirklich unglaublich gut an.

Ich möchte durch meine Offenheit anderen Menschen Mut zusprechen, sich Hilfe zu suchen, aufzustehen wenn ihnen Unrecht geschieht, sodass sie nichts in sich hineinfressen müssen. Ich möchte anderen zeigen, dass das Leben schön ist und dass sie sich nicht dafür schämen müssen, wer oder wie sie sind. Deswegen bin ich hier und werde hier bleiben. Auch mit Borderline.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.