Büchervorstellung: Lena Kuhlmann & Victoria van Violence

Psychische Erkrankungen in Worte zu fassen ist nicht immer einfach, meist kann dies nur ein selbst erkrankter oder jemand vom Fach. Umso besser ist es, dass es immer mehr öfter diese Thematiken in den Regalen von Büchereien auftauchen. Im folgenden Post möchte ich euch zwei aktuelle Bücher vorstellen, die in den letzten Monaten zum Thema Mental Health erschienen sind.

Lena Kuhlmann – „Psyche? Hat doch jeder!“

Dieses Buch kommt eher aus der Ecke der Ratgeber und Berichte. Lena Kuhlmann arbeitet als Psychotherapeutin und schreibt auf ihrem Instagram @freudmich über ihren Berufsalltag und psychische Erkrankungen generell.

Hauptsächlich geht es in dem Buch um die Aufklärung über die menschliche Psyche und wie es überhaupt zu Erkrankungen dieser kommen kann. Lena Kuhlmann möchte Vorurteile aus dem Weg räumen mit Hilfe von Wissen. Fachlicher Input wird mit Anekdoten aus ihrem Arbeitsalltag belegt und hilft damit Außenstehenden Situationen nachvollziehbarer zu gestalten. Der Leser wird über alle Stufen der Entwicklung informiert – wie kann man erkennen dass die eigene Psyche nicht richtig funktioniert, wer ist der richtige Ansprechpartner und wie geht es dann weiter. All diese Fragen klärt die Autorin in ihrem Buch. Durch den lockeren Schreibstil erleichtert es jedem den Einstieg in diese Thematik und gibt gute Anhaltspunkte aus therapeutischer Sicht. Innerhalb der Kapitel gibt es kleine Info-Boxen die Fachbegriffe, Theorien und Vorgehensweisen verständlich und simpel erklären. Neben diesen gibt es auch kleine Fallbeispiele mit denen Lena Kuhlmann das Fachliche an realen Fällen verdeutlich.

Alles in allem war es für mich super interessant zu lesen und auch immer noch sehr informativ, obwohl ich schon einen relativ großen Wissensfundus in dem Bereich habe. Gerade ihre fachliche Sicht auf Fälle fand ich daran sehr reizvoll, da ich meist nur Bücher von Betroffenen gelesen habe und kein großer Fan von klassischen Ratgebern bin. Hierbei hatte ich jedoch viel Freude, auch wenn ich es ab und zu wegen kleinen Triggern aus der Hand legen musste. Ich denke das Buch ist ein guter Einstieg wenn man beginnt sich mit seiner Erkrankung, oder der eines Angehörigen, auseinander zusetzen. Gerade die Fallbeispiele haben mir eine Fläche zur Identifizierung meiner eigenen Symptome gegeben, was den Lernprozess bei mir sehr gefördert hat.

Victoria van Violence – „Meine Freundin, die Depression“

Dieses Buch fällt schon wieder eher in meine Kategorie – Erfahrungen einer Betroffenen. Victoria van Violence ist für ihre Tattoos, die damals grünen Haare und ihre Internetpräsenz bekannt. Auch ich bin ihr seit vielen Jahren verfallen und verfolge ihr Leben auf den sozialen Netzwerken. Umso mehr fühlte ich mich empowered als sie vor einem Jahr begann öffentlich über ihre Depression zu schreiben. Dies fasste sie nun in einem Buch zusammen.

Inhaltlich beschäftigt es sich mit Victorias Erkrankung und wie es dazu kommen konnte. Mit allen äußeren Faktoren wie dem Berlin-Lifestyle, Beziehungsproblemen und dem Rampenlicht. Das Buch ist in dem Sinne eine Autobiografie einer Person des öffentlichen Lebens mit einer psychischen Erkrankung. Trotzallem konnte ich mich teilweise extrem gut mit ihr identifizieren, besonders als sie über ihren ersten Klinikaufenthalt und das Leben danach schrieb. Es zeigt ganz gut welche Faktoren, die einem einst belanglos erschienen, zu einer Depression führen können.

Innerhalb des Buches erklärt die Autorin auch was ihr geholfen hat aus dem Loch heraus zukommen und gibt Tipps und Anlaufstellen. Ich sehe dieses Buch und die Arbeit die Victoria leistet als ein großes Zeichen gegen die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen. Eine bekannte Person, die öffentlich über ihre Depressionen redet obwohl sie ja das „perfekte Leben“ führt dazu dass mehr Menschen sich mit der Thematik beschäftigen und offener damit umgehen.

Allgemein ist das Buch super verständlich und leicht lesbar. Ich hatte es innerhalb von 2 Tagen durchgelesen, auch weil man durch ihre persönlichen Einblicke angefixt ist mehr über sie zu erfahren. Mir hat es sehr geholfen mein Verhalten gegenüber „Influencern“ mehr zu reflektieren und den Blick hinter die Fassade zuzulassen. Deshalb finde ich dass es ein sehr interessantes Buch ist, nicht nur für Fans von ihr.

Ich hoffe dass euch die kleinen Rezensionen zu den Büchern gefallen haben und ich euch etwas angefixt habe das eine oder andere zulesen. Wenn ihr die beiden schon gelesen habt und euch gerne mehr mit dem Thema beschäftigen möchtet, schaut doch mal in die Bücherliste. Da habe ich schon ein paar aus ganz verschiedenen Bereichen zusammengetragen.

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