Die allgegenwärtige Angst

Das Telefon klingelt, es geht niemand ran. Auch beim dritten Anruf innerhalb von Minuten. Sofort setzen die Gedanken in meinem Kopf ein. Ist etwas passiert? Geht es XY gut? Wie soll ich ohne diese Person leben?   Immer von dem “Worst Case” ausegehen und sich selbst in absolute Panik hineinsteigern. Genau das passiert bei meiner Angststörung. Woher das kommt und wie sich das auf meinen Alltag auswirkt beschreibe ich in diesem Text.

Seit dem ich 14 bin leide ich an einer Angststörung, genauer gesagt bekam ich die Diagnose Agoraphobie mit Panikstörung. Dies bedeutet im Groben eine Platzangst, jedoch ist diese bei mir spezifischer. Ich habe Angst das Haus zu verlassen, mich in Menschenmassen zu begeben oder mich jeglichen Situationen mit mehr als 3 Personen auszusetzen. Zu dieser Diagnose kommt noch eine extreme Verlassensangst dazu, welche durch meine Borderline Erkrankung extrem verstärkt wird.

In den letzten zwei Tagen hatte ich zwei extreme Angstschübe ausgelöst durch zwei sehr ähnliche Situationen. Ich konnte am Montag Abend meine Mutter nicht telefonisch erreichen. Minuten später rief mich meine kleine Schwester ebenso panisch über den selben Umstand an. Bei mir setzte sofort das Kopfkino ein. Meine ganze Familie wird bei solchen Situationen sofort ängstlich, da wir sie schon einmal so erlebt haben und sich dabei wirklich das Schlimmste ereignet hat. Wer schon länger hier Leser ist, weiß das schon aus früheren Beiträgen.

Als ich 14 war verlor ich meinen Papa bei einem Autounfall. Ich hatte am Vormittag, bevor er seine Heimfahrt startete noch einmal mit ihm telefoniert. Drei Stunden später war er nicht mehr zu erreichen. Der Anruf ging raus, jedoch nahm niemand ab. Zu diesem Zeitpunkt lag sein Handy schon im Graben neben der Unfallstelle. Stunden später standen zwei Polizeibeamte vor der Tür mit meiner weinenden Mutter im Schlepptau.

An diesem Tag machte ich mir keine Gedanken darüber, dass etwas passiert sein könnte. Ich dachte er hätte das Handy einfach nicht gehört. Genau dieser Umstand hat tiefe Wunden in mir hinterlassen. Sobald ich weiß, dass eine Person, die mir nahe steht unterwegs ist (mit dem Auto) und eine Weile nicht erreichbar ist, rastet mein Kopf komplett aus.

Die Angst eine geliebte Person zu verlieren ist immer da und kann durch die kleinsten Auslöser getriggert werden. Ich treibe mit meinem Verhalten regemäßig meinen Partner, Familie und Freunde in den Wahnsinn. Denn sobald ich jemanden nicht erreiche stellen sich in meinem Kopf die schlimmsten Szenarien ein. Ich durchlebe den schlimmsten Moment meines Lebens nochmal. Ich warte auf die Polizei, die vor meiner Tür steht und warte auf das Einsetzen dieser höllischen Trauer und Einsamkeit.

Mit dieser Angst einen Alltag zu führen ist nicht immer einfach. Therapie und Aufarbeitung leisten ihren Teil um besser damit umzugehen. Jedoch vertreibt das die Angst nicht komplett. Ich musste lernen mich damit abzufinden, dass so etwas wieder passieren kann. Das Leben ist endlich und es gibt Situationen, die man nicht kontrollieren kann. Dies zu akzeptieren fällt mir an manchen Tagen schwerer als an anderen. 

Mir hilft es immer einen Notfallplan parat zu haben. Personen anrufen zu können, die wissen könnten wo sich Person XY aufhält, zu wissen wie ich im Worst Case zu reagieren habe und auch schon den schlimmsten Fall durchgeplant zu haben. Das nimmt die Angst zwar nicht, jedoch beruhigt es mich in der Situation zu wissen wie ich nun weiter vor gehen sollte.

An dieser Stelle würde ich gerne das interaktive dieser Platform wieder nutzen:
Du bist auch von einer Angststörung betroffen und würdest gerne deine Story hier teilen? Dann schreibe mir einfach eine Mail an candywasteland@gmail.com
Ich freue mich über jeden der seine Erfahrungen teilen möchte. Auch deine Notfallpläne oder wie du mit so einer Situation umgehst, fände ich unglaublich interessant.

 

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