Unter Frauen finde ich Girl on Girl Hate immer wieder schlimm – Carmen aka Black Annis

Black Annis via Claudia Holzinger

Als Frau ist man an manchen Stellen des Musik Business immer noch benachteiligt, das ist leider noch Realität in 2018. Die Musikerin Carmen stieß immer wieder mit ihrem DJ-Projekt double u cc, sowie dem Drone/Noise Soloprojekt „Black Annis“ auf Probleme auf Grund ihres Geschlechtes. Wie sie damit umgeht und warum es sie nur stärker gemacht hat, erzählte sie mir in einem Interview.

Seit ca. vier Jahren ist die 32-jährige Studentin Carmen in der DJ Szene unterwegs und legt unter dem Namen double u cc auf. Sie gründete das feministische beyond-Clubbing Kollektiv „Trouble in Paradise“. Dieses habe ich aus der Motiviation heraus gegründet, die sexistischen Strukturen im Club-Leben aufzubrechen. Mittlerweile beschäftigen wir uns als Kollektiv auf vielfältigerweise zu dem Thema“, erklärt sie zu der Entstehung.  Diese Thematik ist nach wie vor immer noch aktuell im Musik Business, egal in welcher Szene man sich bewegt. Grade durch die Arbeit in dem Kollektiv stößt Carmen immer wieder an die Grenzen der Toleranz – bei der Frage nach Aspekten mit denen sie zu kämpfen hat, kommt als erste Antwort sofort der Sexismus. “Das hat erst Jahre an Arbeit gekostet, bis mir bewusst war, dass ich sowas kann und darf!“, sagt die Nürnbergerin.

Oft habe ich monatelang keinen wirklich freien Tag zum nixtun

Ein weiterer belastender Punkt in der Branche ist auch der Leistungsdruck, der dabei aufkommt. Da man nicht bei einem 9 to 5 Job ist, sondern an einem selbst auferlegten arbeitet. “Man hat auch diese Leistungserwartung von Seiten der Booker_innen. Im normalen Job kann man sich immer mal krankschreiben lassen, aber ne Show absagen, weil man depressiv oder ausgebrannt ist, das wird oft nicht so verstanden“, berichtet Carmen. Die Thematik des ausgebrannt seins kennt die Musikerin von sich selbst sehr gut. Sie erzählt im Interview dass sie oft die Tendenz zum überarbeiten hat und kurz vor der Burnout Depression steht. Wenn man neben dem Studium noch eigene Projekte auf die Beine stellt, kommt dabei das Privatleben ziemlich kurz. “Ich „toure“ als DJ, was für mich oft ein Leistungsstress ist, das nebenbei noch zu schaffen. Oft habe ich monatelang keinen wirklich freien Tag zum nixtun. Das macht mich richtig fertig.”

Es ist für mich eine befreiendes Gefühl politische und persönliche Dinge musikalische zu transportieren

Doch die Liebe zur Musik treibt Carmen an, sodass sie seit 2016 unter dem Namen Black Annis selber produziert und veröffentlicht. Das Drone/Noise-Projekt entstand aus dem Drang eigene Tracks rauszubringen. “Es ist hauptsächlich experimenteller Noise, teilweise Field Records oder Sound aus selbsterfundenen „Instrumenten“”, beschreibt sie ihren Sound.  Auf ihrer Bandcamp Seite kann man sich die düsteren Sounds anhören. In ihrem ersten eigenen Track “furoria: capitulum I” behandelt Carmen ein sehr persönliches Szenario. “Bei meiner bisher einzigen wirklichen Veröffentlichung verarbeite und bearbeite ich sexualisierte Übergriffe gegenüber mir und meinen Freundinnen, welche mir im Entstehungsprozess des Tracks davon erzählten”, berichtet sie.

Trouble In Paradise via Lilly Urbat

Es gäbe aber nicht so viele Musiker, wenn es dabei nicht auch unmengen an positiven Aspekten gäbe. Einer der wichtigsten Punkte ist wohl die Vermittlung von Gefühlen und Ansichten. Carmen fasste dies sehr passend zusammen: “Es ist für mich eine befreiendes Gefühl politische und persönliche Dinge musikalische zu transportieren und vor allem dadurch mit einem Publikum zu interagieren. Vor allem der feministische Ansatz ist für mich sehr wichtig und in diese Richtung habe ich schon sehr viele positive Erlebnisse gehabt. Ob es jetzt mein eigenes oder das Empowerment anderer war. Es gibt einem Lebensenergie.”  Durch die Musik hat man die Möglichkeit Menschen auf ganz verschiedenen Ebenen zu erreichen, genau das macht den Reiz aus.

Ich bedanke mich bei Carmen für dieses Interview und wenn ihr mehr von ihr hören & sehen möchtet schaut doch mal auf der Seite von Trouble In Paradise sowie ihrem Solo-Projekt Black Annis vorbei.

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