Wenn die schwarze Gestalt im Zimmer steht – Nachtpsychose

Heute schreibe ich mal wieder etwas aus meinem eigenen Erfahrungskästchen. Dies ist eine der wenigen Thematiken, die ich hier sowie auf Instagram noch nicht angesprochen habe – meine Nachtpsychosen.

Zum einen rede ich selten darüber, da mir die ganze Sache selber noch nicht so ganz geheuer ist und weil viele, denen ich es erzählt habe es gruselig und komisch fanden. Jedoch sind Psychosen ebenso Teile von verschiedenen Krankheitsbildern wie Schlafmangel und Co. Oder selbst eine eigenständige psychische Erkrankung.

Ich habe diese Nachtpsychose schon seit meiner Kindheit, habe diese nie als Teil meiner Erkrankungen gesehen. Jahrelang dachte ich einfach es wäre meine enorme Fantasie die mir einen Streich spielt oder ein immerwiederkehrender Albtraum. Erst vor ca einem Jahr habe ich einem Therapeuten davon erzählt, der mich direkt an meine Psychiaterin weiterleitete, damit dies beobachtet und behandelt wird. Ich bekam eine Zeit lang Risperidon dagegen, jedoch wurde mein Schlaf dadurch nicht besser, eher schlechter. Ich fühlte mich wie betrunken, alles drehte sich und fühlte sich mulmig unangenehm an. Deshalb habe ich beschlossen mit meiner Ärztin das Medikament abzusetzen und allgemein mein Schlafmittel umzustellen. Ich nehme nun seit mehreren Monaten Quetiapin, dies hilft mir bei meinen Schlafproblemen, den BPS Stimmungsschwankungen am folgenden Tag und der Nachtpsychose. Das Medikament lässt sie zwar nicht verschwinden, dämmt sie aber ein und lässt mich auch keine Angst vor ihr haben.

Aber was passiert da überhaupt? Allgemein sind Psychosen bei jedem anders, kein Mensch sieht dasselbe wie der andere. Vielleicht ist das auch ein Ausdruck unserer Individualität und den unterschiedlichen Erfahrungen, die jeder gemacht hat. Bei mir ist es eine schwarze Schattengestalt, die beim nächtlichen Aufwachen in einer Ecke meines Raumes steht. Es ist wirklich nur eine Gestalt, ich kann keine genauen Züge, Gesicht oder ähnliches erkennen. Ich vergleiche sie gerne mit dem Wizard auf dem ersten Black Sabbath Album um eine ungefähre Vorstellung dessen zu haben. Zudem hat die Gestalt auch kein erkennbares Geschlecht (nehmen wir jetzt hier mal Geschlechtertheorien und Konstrukte dessen heraus), trotzallem würde ich sie eher männlich als weiblich bezeichnen. Die Gestalt steht dann in einer Ecke und schaut mich an, mehr nicht. Sie sagt nicht, tut nichts und interagiert auch nicht mit mir. Ich habe nie Angst vor ihr gehabt, wir haben eine friedliche Koexistenz. Ich muss aber auch sagen, dass ich nie versucht habe damit zu interagieren, einfach aus Angst was passieren könnte. Das ist auch die Angst, die ich weiter oben beschrieben habe. Die Angst vor dem Ungewissen.

Genau diese Angst symbolisiert es wohl auch, laut eines Therapeuten aus meiner Vergangenheit. Ebenfalls hat diese Gestalt etwas mit dem Verlust meines Papas zutun. Es ist wie eine Art Schutzgestalt, die da ist und aufpasst. Mit dieser Begründung sehe ich sie auch gerne an.

Auftauchen tut die Gestalt in letzter Zeit seltener, aber wenn ich enorme Stressphasen habe oder ein starkes Tief kommt sie häufiger in der Nacht. Sie ist auch die ganze Zeit da, bis ich das Licht anschalte. Dann ist sie weg.

Als Kind hatte ich teilweise panische Angst davor aber auf der anderen Seite hatte es manchmal etwas beruhigendes einen immerwiederkehrenden Beobachter zuhaben. So kurios das klingt. Ich habe meinen Eltern davon erzählt, aber für sie war es nur ein Albtraum. Es wurden alle Schränke und Ecken zusammen kontrolliert vor dem Schlafen gehen und wenn die Gestalt doch kam, ging es ins Elternbett. Da war die Welt noch in Ordnung.

Ich sehe die Gestalt eigentlich nur in der Nacht in mir bekannten Räumen. Sprich meinem Schlafzimmer oder dem meines Freundes, sonst nicht. Es gab bislang nur drei Extremfälle, in denen ich die Gestalt außerhalb dieser gesehen habe. Es waren extreme Stresssituationen für mich, jedoch hat das Erscheinen meines “Beobachters” diese nicht besser gemacht. Ganz im Gegenteil. Wenn es dazu kommt, dass mir das an öffentlicheren Orten passiert werde ich panisch. Ich habe die Befürchtung verrückt zu werden, dass ich mit der Gestalt rede, interagiere oder sie gar anschreie. Deshalb mache ich mit meinem Freund manchmal den Realitätscheck, ich zeige auf Schatten und er sagt mir welche wirklich existieren. Das hilft mir manchmal mich wieder auf den Boden zuholen und mich auf die realen Dinge zu konzentrieren.

Ich habe mich mit dem Zustand angefreundet und es ist okay für mich. Trotzdem weiß ich, dass es ein Teil meiner Erkrankung ist und nicht zur allgemeinen Normalität gehört.

Mich würde es sehr interessieren, ob andere so etwas auch haben und wie sie damit umgehen. Denn ich habe bislang noch niemanden getroffen, der dies auch hat. Ich würde mich deshalb sehr freuen, wenn ihr mir schreibt, wenn ihr das auch erlebt.

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