Ich realisierte, dass ich nicht alleine bin – Julius & Musik

Jeder hat eine eigene Verbindung zu Musik, für die einen ist es Untermalung von Momenten, für andere ist Musik ein Retter in dunklen Zeiten. Eine Personen, dieser Sorte ist Julius. Im nachfolgenden Text geht es um ihn und seine Verbindung zu Musik & wie sie ihm geholfen hat durch das dunkle Tal der Depressionen zu gehen.

Hey liebe Blogleser,

Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, wie ich sowas anfangen soll. Klar habe ich schon mal Texte geschrieben, aber nie wirklich für so eine Plattform, sondern eher im privaten Kreis oder auch mal auf meinen Social Media Accounts.

Ich fange wohl erstmal mit dem Aufhänger an. Ich leide seit, mehr oder weniger, 6 Jahren an Depressionen. Nach langem verweigern der Wahrheit folgte eine noch längere Phase in der ich erstmal nicht Ernst genommen wurde. Mein Hausarzt (der inzwischen sehr verständnisvoll ist und auch experimentellen Therapien nicht abgeneigt ist) glaubte zunächst nicht wirklich an das Problem. Doch irgendwann war klar, das es nicht einfach nur eine Phase der Traurigkeit oder Erschöpfung war. Es folgten viele Jahre mit vielen Therapiegesprächen, verschiedenen Medikamenten, Erfolgen und derben Rückschlägen. Inzwischen bin ich fast 24 Jahre alt und habe meine letzte richtig schlimme Phase und anschließende Therapie im Herbst 2017 hinter mir. Die Grunde dafür sind vielfältig, aber inzwischen habe ich durch bestimmte Verhaltensmuster, Routinen und Beschäftigungen eine einigermaßen stabile Lebensgrundlage geschaffen.

Wenn die Probleme heute zurück kommen, dann verbleibe ich meist nicht mehr so lange im Zustand der Hilflosigkeit und Wertlosigkeit, wie es noch vor einigen Monaten der Fall war. Trotzdem gibt es für mich keine Garantie, das ich die Scheiße los bin. Immer mal wieder gab es Momente, wo ich dachte ich hätte meine psychischen Probleme überwunden. Doch kurz darauf kamen sie meist noch schlimmer wieder. Ich möchte mich nie wieder so fühlen, hab aber immer die Angst im Hinterkopf das die Gefühle jederzeit zurück kommen könnten und ich nichts dagegen unternehmen kann. Die entstehende Ungewissheit ist für mich selbst an guten Tagen noch eine Belastung.

Doch kommen wir zum eigentlichen Thema dieses Artikels: Musik.
Musik hat mir in den schlechtesten Zeiten beigestanden. Musik ist etwas wundervolles, steckt voller Emotionen und besitzt die Macht Menschen anzusprechen und berühren zu können. Wenn man mit mentalen Problemen (egal welcher Art) zu kämpfen hat, dann kann es vorkommen das man sich einsam fühlt. Für mich war es und ist es zumindest so. Manchmal hatte ich das Gefühl, das niemand sonst in der Welt dieses Gefühl nachvollziehen kann, dass sich in einem solchen Moment in meinem Kopf und später im ganzen Körper ausbreitete. Ich vergleiche die Machtlosigkeit meiner Depressionen manchmal mit dem Szenario in einer eiskalten Badewanne in einem dunklen Bad zu liegen und nicht aufstehen zu können. Wie könnte das jemals jemand verstehen?  Und vor allem, wie sollte es jemand verstehen können, der objektiv gesehen alles hat? Jemand der Erfolgt hat, beliebt ist und Tausende von Menschen Woche für Woche mit seinen Liedern begeistert? Jemand der mit dem was er gerne macht sein Leben finanzieren kann und aus meiner Sicht ein fast perfektes Leben führt? Wie könnte so jemand meine Probleme verstehen?`

Doch dann hört man Musik, die sich mit Themen dieser Art beschäftigen. Oder die sich so anhört, als würden die Personen ähnliches durchmachen.  Und spätestens da sollte der Groschen fallen, wenn man bei seiner eigenen Lage noch nicht darauf gekommen ist. Mentale Probleme sind nicht logisch. Egal ob es einem objektiv gesehen gut geht, man das perfekte Leben führt oder auch nicht, sondern treten völlig unabhängig davon auf.

Einerseits erfüllt mich sowas immer mit Trauer. Denn ich wünsche keinem Menschen, das er so etwas durchleben muss. Aber andererseits erfüllt es mich auch mit etwas Freude. Weil ich dadurch realisieren konnte, das ich mit meinen Problemen nicht alleine bin. Ich höre gerne Pop-Punk, Bands wie Real Friends, Knuckle Puck, Creeper Stand Atlantic, State Champs, Dollar Signs, Neck Deep, Modern Baseball oder auch New Found Glory. Einige von ihnen sprechen mentale Probleme direkt an, umschreiben sie oder haben bereits Touren abgesagt, weil Bandmitglieder gerade Hilfe brauchten.

Wenn jemand Depressionen, Bipolare Störungen, Borderline oder sonst etwas thematisiert und in ein nicht stigmatisiertes Licht rückt, dann ist das großartig. Denn wenn man dem Durchschnittsmenschen von seinen Problemen erzählt passiert meist eine von zwei Sachen (natürlich gibt es da auch Ausnahmen): Er gibt einem unsachliche Tipps, die von einer mangelnden Aufklärung über solche Probleme rührt oder aber man wird gemieden, aus Angst dadurch selbst belastet zu werden. Meine Mutter beispielsweise verweigert sich bis heute sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und redet daher nie mit mir darüber. Und wenn man von dem privaten Umfeld schon kein Verständnis empfängt, dann ist es immer noch schön wenn man erfährt das Bands, die wirkliche viele Menschen erreichen können, nicht nur Verständnis für die eigene Situation haben, sondern auch dafür sorgen das eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema stattfindet. Und wenn ein Mitglied einer Band, das sowas ganz anders in der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit steht, den Mut hat vor Menschen über seine Probleme zu schreiben, zu reden oder zu singen, dann ermutigt mich das auch, mich mit anderen über meinen Zustand zu unterhalten, auch wenn das vielleicht nicht einfach ist und oft auf blöde Reaktionen trifft. Wenn Real Friends davon spricht, das man sich wie ein Foto fühlt, dessen Farben im Sonnenlicht verblassen, dann sind das Worte zu denen ich Zugang habe, denn das umschreibt eine meine Gefühlslagen, die ich so vielleicht nicht hätte in Worte fassen können. Das Gefühl nicht alleine zu sein, gab mir in schlechten Momenten oft Kraft. Wenn es da draußen Menschen gibt, die genauso fühlen, müssen die doch auch Wege gefunden haben, damit klar zu kommen. Diese Hoffnung lies mich manchmal weitermachen. Manchmal reichte sie aber auch nicht. Trotzdem war und ist Musik noch immer ein wichtiger Teil meines Lebens. Ohne Musik wüsste ich nicht, wo ich jetzt im Leben stehen würde. Musik hat mir oft ein Gefühl der Zugehörigkeit oder der Aktzeptanz geboten, das mir mein persönliches Umfeld nicht geben konnte oder das ich nicht zu meinem Umfeld nicht aufbauen konnte.

Wenn ich nach einem schlechten Tag nach Hause komme, dann ist es oft Musik die mich wieder auf den Boden holt.Sie schafft es Dinge in mir anzusprechen, die sonst nur wenig angeregt werden.

Musik ist mächtig und kann einem im Kampf gegen seine alltäglichen Probleme helfen. Sich verstanden zu fühlen kann einer scheinbar hoffnungslosen Situation Hoffnung verleihen. Wunderschöne Lieder zu beschissenen Themen zeigen mir, das es selbst in der schlimmsten Facette des Lebens noch etwas magisches und verzauberndes stecken kann.

Dennoch wäre es fahrlässig zu behaupten Musik hätte mich geheilt oder könnte ausreichen um Depressionen oder der gleichen vollständig bekämpfen. Dazu gehört deutlich mehr. Doch es tut gut zu hören, dass man nicht alleine ist.

Vielen Dank an Julius für diesen ehrlichen Text! Wenn ihr mehr von ihm lesen oder sehen möchtet, dann schaut doch mal auf seinem Instagram Profil @socialmediaghoul vorbei!

Das Bild in diesem Text stammt von Julius und durfte durch seine Zustimmung verwendet werden.

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