Als Frau in der HC-Szene ist es immernoch schwer – Julie von DREGS

Viele Musik-Liebhaber haben das Bedürfnis selbst aktiv zu werden, doch meistens scheitert es an äußeren Umständen, wie Finanzen oder fehlende Ausbildung. Deshalb dauerte es bis Julie endlich ihren Gedanken& Gefühlen durch Musik einen Ausdruck geben konnte. Nun ist die Wienerin in ihrem Element als Vocalistin der Wiener HC/Punk Band Dregs.

Ich MAG Musik, schon mein Leben lang. Habe aber leider nie ein Instrument gelernt, ich war grade mal in der Hauptschule in einem Chor. Und das war’s eigentlich”, sagt Julie selbst über ihren musikalischen Background. “Was anfangs auch schwer für mich war, den Takt zu halten, oder den instrumentalen Song-Aufbau zu verstehen. Musik hören, gut finden und selber was akzeptables zu kreieren, sind 2 paar Schuhe. Da ich doch sehr kritisch mit mir umgehe”. Was für den normalen Musikhörer intuitiv erscheint, bedarf einer Menge Übung und Zeit. Lange Zeit wollte die Sängerin schon im praktischen Bereich der Musik Fuß fassen, jedoch mangelte es hier an Geld, dort an der professionellen Ausbildung und ein Schwung Angst war auch dabei. Sie probte trotz allem ab und zu mal mit ein paar anderen Leuten, doch fühlte es sich nach ihrer Aussage nie richtig an und vermutete auch dass sie zu dem Zeitpunkt vielleicht noch nicht bereit dafür war. Im September letzten Jahres tat sich die 26-Jährige mit ein paar Bekannten zusammen und sie gründeten nach ein paar Proben und einem gewissen Maß an Überredung DREGS. “Kommt’s lasst mal coolen Punk machen und Spaß haben, ob’s gut wird oder nicht – DIY or Die”, fasst sie die Entstehung der Band zusammen.

“Kommt’s lasst mal coolen Punk machen und Spaß haben, ob’s gut wird oder nicht – DIY or Die”

“Das war im September 2017. Im Dezember haben wir beschlossen uns DREGS zu nennen (im englischen: “the small solid pieces that sink to the bottom of some liquids , such as wine or coffee, that are not usually drunk” und es hat dann wunderbar geklappt. Mittlerweile sind wir gute Freund*innen, es macht Spaß und wir sind super motiviert”, sagt Julie ergänzend zur Band Geschichte. Über die Texte, die sie meist schreibt, kann sich die Wienerin Gehör verschaffen über Themen, die sie beschäftigen. Wie beispielsweise das politische Weltgeschehen, toxische Macht Zustände und auch ihre mentale Verfassung. Musik war schon immer für Julie ein Ort der Sicherheit, sie berichtet schon als Kind auf langen Autofahren Musik auf dem Disc-Man gehört zu haben um schlimme Panikattacken, die sie in dem Alter hatte, in den Griff zu bekommen. Das ist auch bis heute noch bei ihr so: “Ich bin gern auf Reisen, mit Bus oder Bahn und hab am liebsten meine Ruhe, damit ich Musik hören kann und in meiner Traumwelt versinken kann. Dabei spielt das Genre keine große Rolle. Ob Pop á la Lady Gaga über Punk bis hin zu klassischer Musik, alles dabei. Hauptsache es berührt mich emotional.” Was sie selbst als kitschig bezeichnet, ist einfach das Gefühl nach dem jeder in Musik oder auch Filmen oder Büchern sucht. Das Gefühl nach Verständnis und einem Ort, an dem man vieles ausleben kann.

“Genauso habe ich einen Weg gefunden, meine Gefühle, in meinen Texten und in meiner Musik zu verarbeiten. Bei Proben und Live-Sets blüh ich richtig auf. Es tut gut, angestaute Wut oder Trauer los zu werden. Manche gehen wohl zum Sport, ich brauche die Musik”, sagt sie über ihren Ort an dem sie alles ausleben kann. Natürlich schwingt bei der Präsenz als Vocalistin auch ein gewisser Druck mit. Nicht nur dass man es den schon erprobten Bandkollegen recht machen will, sondern auch die Anforderungen die man an sich selber stellt sind hoch. Julie erzählt, dass sie sich mit einer Menge Übung, auch mit Yotube- “How To’s”, und einer richtigen Technik ihr Können als Sängerin erst antrainieren musste. “Es fiel es mir sehr schwer, zu singen bzw zu schreien. Ich hatte da paar Vocalist*innen im Kopf wie ich gern klingen würde, welche Bands ich super cool finde und und und, ” berichtet sie weiter, “ Anfangs war ich oft heiser, und dementsprechend frustriert. Ich hab mich dann oft, mit anderen verglichen. Dennoch war meine Motivation, “es richtig zu machen” so groß, dass ich dran geblieben bin”.

“Ich mochte immer schon Bands, die auf der Bühne Spaß hatten”

Und die Übung zahlt sich aus, Anfang März veröffentlichten DREGS ihre erste Demo EP via Bandcamp und spielen seit dem mehr Shows, momentan touren sie im kleinen Rahmen durch Europa. Doch mit dem Touren und den Konzert-Situationen kommt auch bei Julie eine Nervosität auf – “Ich bin vor Shows immer etwas nervös und möchte die Energie bestmöglich rüber bringen. Ich mochte immer schon Bands, die auf der Bühne Spaß hatten, mit dem Publikum interagierten und einfach diese “i dont give a fuck – Attitude” hatten. Da mess ich mich dran“. Doch sie hat mit dem Live-Spielen auch eine Möglichkeit gefunden sich ihren Ängsten zu stellen. “Zudem lebe ich seit fast einem Jahr sober, keine Drogen und keinen Alkohol. Das war bis jetzt die beste Entscheidung. Somit muss ich mich meiner Anxiety stellen und einen besseren Coping Mechanismus finden. Und der gelingt mit der Musik ganz gut.”, sagt sie über ihren Lebensstil.

Was vielen Menschen Angst macht, das Spielen vor vielen fremden Menschen, genießt die Wienerin. Die Bühne gehört dann ganz ihr und der Band, 20 Minuten nur für sie -“Wir wissen alle, das Hardcore/Punk ein “Jungs Club” ist, mir ist es wichtig Ernst genommen zu werden. Menschen sollen sehen und hören dass wir Spaß haben, und gute Musik machen können. Wir sind wütend und wir haben was zu sagen.

Mit dem Jungs-Club der Szene trifft sie genau den Punkt, mit dem viele Bands mit Frauen schon immer zu kämpfen hatten. Die Hardcore Szene tritt in den letzten Jahren vermehrt mit Macker-Gehabe und Intoleranz ins Rampenlicht der Öffentlichkeit. Julie fasste ihre konkreten Probleme mit der Szene passend in Worte: “Nicht Ernst genommen zu werden. Belächelt zu werden. Hass ab zubekommen. Vor allem Frauen*, Transpersonen, Queerpersonen oder Menschen mit Behinderung, sollen sich immer und überall beweisen. Männer haben ein ganz klares Privileg.”

Doch Julie lässt sich davon nicht abschrecken und zieht ihr Ding durch. Zum Schluss den Interviews richtet sie deshalb diese Worte an die Leser: “Es ist zwar leichter gesagt als getan, aber wenn ihr Bock habt Musik zu machen, macht es! Vielleicht ist der Anfang etwas schwierig aber: Lasst euch von nichts und niemanden abbringen! Vorrangig sollte sein, dass ihr Spaß daran habt und euch gut fühlt. Und das ist auch Self-care. YOU RULE!“.

Mit diesen Worten bedanke ich mich bei Julie für das tolle Interview! Wenn ihr mehr von ihr hören wollt, dann schaut doch mal auf dem Bandcamp & Facebook von DREGS vorbei!

 

Alle Bilder in diesem Text wurden unter Zustimmung von Julie verwendet.

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