Kinderwunsch trotz Angst-& Panikstörung? -Anonym

via Brooke Smart

Kinderwunsch. Dieses Thema war bei mir mit vielen Ängsten behaftet: was ist wenn mein Kind meine Psyche bekommt? Meinem Kind möchte ich dies auf keinen Fall zumuten. Ich würde mich so verdammt schuldig fühlen. Wie gehe ich mit meinen sozialen Ängsten um? Wie werde ich meinem Kind dabei gerecht? Bin ich dieser Aufgabe gewachsen? Zu viele Gedanken und Selbstzweifel.

Ich bin 32 Jahre und lebe seit 10 Jahren mit meinen psychischen Krankheiten. Jeder Tag ist anders. Ich mache mir viel Druck. Ich bin perfektionistisch und habe in vielen sozialen Situationen Angst. Viele Jahre hatte ich Angst vor der Zukunft. Ich traute mir selbst nicht viel zu und gab der Angst viel zu viel Macht. Ich versteckte mich unter meiner Bettdecke und lies es über mich ergehen. Nach außen hin aber, war ich stark und erlaubte mir keines Falls Schwäche zu zeigen. So lernte ich meine Gefühle zu unterdrücken. Die Derealisation begann. Sie nahm mich ein und machte das Leben ungenießbar. Und niemand wusste davon.

“Kinderwunsch hatten wir beide”

Am Anfang meiner Beziehung wusste nicht mal mein Partner von meinen Krankheiten. Wie soll jemand etwas verstehen, dass ich selbst nicht verstehe? Irgendwann öffnete ich mich. Ein wenig Akzeptanz von seiner Seite war ein guter Anfang. Ich begann eine ambulante Therapie und nahm Medikamente. Nach zwei Jahren ging es mir viel besser. Ich setzte die Medikamente ab. Kinderwunsch hatten wir beide. Jetzt stand diesem nichts mehr im Wege. Und dann ging es mir nach einigen Monaten wieder sehr schlecht. So schlecht wie noch nie. Ich ging lange Zeit nicht mehr arbeiten und vergrub mich zuhause und nahm wieder Medikamente.

Der Grund für diesen schlechten Zustand: ich war (noch nicht wissend) schwanger! Mein Hormonhaushalt war im Durcheinander. Mein Kopf schlug Alarm, denn es fühlte sich nicht an wie sonst.  Da wurde mir zum ersten Mal bewusst, dass mein Kopf mich verarscht. Ich war einfach „nur“ schwanger, mein Kopf aber schrie nach Angst und Panik. Das Bewusstsein dafür, dass ich schwanger war und deswegen meine Psyche auf dem Kopf stand, machte mein Befinden aber nicht von alleine besser. Ich entschied mich in den ersten Monaten der Schwangerschaft für eine 12 -wöchige stationäre Behandlung in einer psychosomatischen Klinik. Für mich und mein Kind. Es war keine einfache Zeit, Therapien, Tränen und Zweifel. Doch auch mein Partner lernte in dieser Zeit viel über meine Krankheit. Er bringt mittlerweile Akzeptanz und auch Verständnis für meine Situation mit. Ihm gegenüber bin ich sehr offen geworden, frage ihn um Rat ohne zu vergessen, dass er nicht mein Therapeut ist.

Schwangerschaft ohne Medikamente?

Es war also keine einfache Schwangerschaft, zumindest nicht für meinen Kopf, viel Unruhe und Befürchtungen wie es nach der Geburt weitergeht. Auch vor dem Wochenbett hatte ich Respekt, da mir von Therapeuten, Ärzten immer wieder gesagt wurde, dass Frauen mit psychischen Erkrankungen besonders anfällig sind für Wochenbettdepressionen. Ich entschied mich daher schon im frühen Stadium der Schwangerschaft meine Medikamente nicht wieder abzusetzen. (Meine Medikamente sind in Schwangerschaft und Stillzeit erlaubt).

Und dann war es da. Mein Baby. Einfach wunderschön.

Was sich seitdem verändert hat? Vieles zum Positiven. Ich bin entspannter, mache mir keinen großen Druck mehr alles richtig und perfekt zu machen. Denn irgendwie beruhigt es mich, dass ALLE Mütter Sorgen haben alles richtig zu machen. Und das keine Mutter perfekt ist und selbst die „scheinbar perfekte“ Instagram Mama zugibt, dass es nicht immer leicht ist. Die Mutterrolle gefällt mir. Ich habe das Gefühl nicht perfekt sein zu müssen. Das stärkt mich in meinen sozialen Aktivitäten. Ich kann jetzt wieder viel freier und ohne Panik in die Gesellschaft hinausgehen.

„Dein Kind hat sich dich ausgesucht und du hast dir dein Kind ausgesucht“

Ich will stark sein für mein Kind. Mir wurde dieses perfekte und vor allem gesunde Kind geschenkt. Ich habe es erschaffen. Das macht mich stolz. In der Schwangerschaft habe ich Entspannungsübungen gehört. Darin kam der Satz: „Dein Kind hat sich dich ausgesucht und du hast dir dein Kind ausgesucht“ vor. Das hat mich beruhigt und berührt. Es hat mir vertrauen gegeben, dass mein Kind mich so annimmt wie ich bin und ich kein schlechtes Gewissen wegen meiner Psyche haben muss.

Es gibt auch schlechte Tage. So wie es die Krankheit eben vorsieht. Dann bemühe ich mich noch mehr meinem Kind gerecht zu werden. Auch meine eigenen Bedürfnisse lasse ich dabei nicht außer Acht. Gute Tage erlebe ich noch intensiver und bin glücklich und dankbar.

Ich bemuttere mein Kind nach bestem Gewissen. Ich bin mir meiner Krankheit bewusst und tue alles dafür damit normal am Leben teilhaben zu können. Ich bin eben nicht perfekt. Ich gehe offen mit meiner Krankheit um und ganz wichtig, ich hole mir Hilfe von Freunden und Familie wenn ich sie benötige. Es ist keine Schande Schwäche zu zeigen. Ich kann meinem Kind Liebe geben und auf seine Bedürfnisse eingehen. Ich kann liebevoll sein und erziehen. Ich kann… Mutter sein mit allem was dazugehört. Ich habe neues Selbstvertrauen gewonnen.

Der wichtigste Satz in meinem Leben:

Es ist nicht wichtig sich „gut-zu-fühlen“, sondern sich gut zu fühlen“.

Vielen Dank an diese anonyme Beitrags-Einsendung! Wenn jemand ähnliche oder ganz andere Erfahrungen gemacht hat, würde ich mich sehr über mehr Posts in der Richtung freuen. Wenn ihr euch angesprochen fühlt – schreibt mir!

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