Hassliebe Tumblr

Tumblr war vor ein paar Jahren, die Internetplattform für Inspirationen, Bloggen und eigentlich alles coole was man im Internet machen konnte. Aber wie bei jeder Sache im Leben, hat diese Seite auch seine Nachteile mit sich gebracht – die Glorifizierung von mentalen Erkrankungen.

Ich selber habe mich viele Jahre auf Tumblr Blogs herum getrieben und Stunden lang an meinem Handy durch Seiten gescrollt, rebloggt und gelesen. Was ich auf meinem Feed sah, waren meistens tätowierte Menschen, Memes und hübsche Zimmer. Doch ab und zu landete ich auch mal auf Blogs, die sich mit Themen wie Depressionen und Essstörungen beschäftigten. Ansich ja cool, dass sich damit beschäftigt wird. Doch mich störte schon immer die Art & Weise dessen. In den meisten Fällen war es eine absolute Romantisierung dieser Erkrankungen und auf eine verquerte Weise erstrebenswert daran zu leiden und ein Teil der Community zu sein.

Mir selber hat dieser Umgang auf diese Art absolut nicht geholfen. Ich fühlte mich zwar nicht mehr alleine, aber ich hatte das Gefühl einem Konkurrenzkampf ausgesetzt zu sein. Nach dem Motto “Wer leidet am meisten?”, in dem ich mich absolut nicht messen wollte. Ich fühlte mich noch schlechter, ich hatte das Gefühl nicht mal mehr mit meiner Erkrankung gut genug zu sein, denn mir ging es nicht so beschissen wie anderen. Total verrückt und bescheuert, oder?

Zudem wurde es zu einer Art Coolness-Auszeichnung depressiv zu sein. Alle coolen Kids sind depressiv, viele Künstler waren/ sind es ja auch. Aber im Ernst, es ist absolut nichts cool daran oder erstrebenswert depressiv zu sein. Ganz im Gegenteil, es ist ein schwerer Kampf, der sich durch mein ganzes Leben ziehen wird und jeder der, diese Erkrankung nicht mit sich herum trägt kann sich sehr glücklich schätzen. Natürlich habe ich meinen Weg gefunden, damit zu leben und bin sehr aufgeklärt was mich und meinen Kopf betrifft, trotz allem habe ich auch den Wunsch danach einfach mal “normal” zu sein und nicht immer eine Marionette meiner Gefühle zu sein. Aber so ist es nun einmal und man muss lernen, das beste daraus zu machen. Was einfach möglich ist und viele andere gehen genau so diesen Weg.

Ich habe oft von Freunden & Bekannten gehört, dass gerade diese optisch fixierte Plattform viel mehr Schäden in ihnen angerichtet hat als andere soziale Netzwerke. Denn man kennt nicht mal die Person hinter den meisten Bildern, man sieht nur dieses Bild/Text/Video und das ist alles. Man kennt keine Backstory, wie man das bei Instagram beispielsweise zuordnen kann. Ich habe oft gehört, dass gerade Menschen mit Essstörungen von Tumblr sehr getriggert und motiviert wurden. Denn wenn man einmal in der Blase ist, kommt man schwer wieder heraus. Es gibt dort zwar eine viel engere und intimer Community als auf anderen Seiten, aber vielleicht ist das gerade der Schadensauslöser. Ich sehe die Verbindung zu Tumblr ähnlich einer toxischen Freundschaft, irgendwie mag man die Person und man investiert Zeit & Kraft obwohl man weiß, dass sie einem nicht gut tut. Jedoch sind Trennungen etwas schweres und es ist verdammt hart etwas gehen zu lassen, was man lieb gewonnen hat. Doch für mich persönlich war es gut. Ich habe vor ein paar Jahren Tumblr gelöscht, nach dem ich Monate lang exessiv nur auf dieser Seite hing. Es machte mich fertig, ich machte mich fertig.

Man sollte wirklich überdenken, was einem gut tut oder nur schadet. Wenn auch unbewusst und danach aus sieben. Man muss nicht alles machen oder haben oder sich permanent vergleichen. Auch wenn ich darin Meister bin. Doch diese Worte hier zu schreiben ist für mich ebenfalls eine Erinnerung daran, dass ich okay bin so wie ich bin. Ich muss nicht aussehen wie die coolen tätowierten Tumblr Girls. Ich bin halt ich und das ist gut so.

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