Selfimage vs. Selflove

Selbstliebe oder Selfcare, sind Begriffe die uns überall begegnen. Unter dem Hashtag #selflove bekommt man bei Instagram 14,3 Millionen Beiträge angezeigt. Trotzdem tun sich viele damit schwer, sich selbst und ihren Körper zu lieben. Ich bin auch eine von diesen Personen.

Es ist einfach schwer sich selbst zu akzeptieren oder gar zu lieben. Aber es ist so wichtig, es hilft einfach unglaublich nicht andauernd im Krieg mit sich selbst zu stehen. Es hilft auch einfach im Alltag besser überstehen zu können, wenn man im Idealfall sein eigener bester Freund ist. Deshalb starte ich mit diesem Beitrag eine Postreihe mit Gästen zum Thema Selbstliebe.

Den Anfang mache wie gewöhnlich ich mit meinen Gedanken zu dem Thema. Was gar nicht so einfach ist, gerade weil ich selbst ziemlich zu kämpfen habe damit. An manchen Tagen fällt es mir leicht mich so zu akzeptieren und gar zu lieben, wie ich bin. Mit all meinen Macken, Fehlern und Problemchen. An anderen ist es schwerer.

Wahrscheinlich liegt der Grund meines verzerrten Selbstbilds in meiner Kindheit & Jugend:
Wie ich schon in meiner Story geschrieben habe, war ich immer ein ziemlich zurückhaltendes Wesen und eher Typ Einzelgänger. Als Einzelkind ist das ja meist so, im Kindergarten war mein Verhalten & Aussehen für alle anderen okay. Doch mit Beginn der Schulzeit änderte sich das ganz schnell, ich war das einzige Kind aus unserem Dorf und kannte somit niemanden. Ich war zu eingeschüchtert von den, schon bestehenden Grüppchen untereinander, sodass ich einfach bei meinem gewohnten Muster blieb und einfach alleine blieb. Nach einiger Zeit hatten sich ein paar oberflächliche Freundschaften gebildet, wie Kinder halt sind. Und Oberflächlichkeit ist da das passende Stichwort, denn genau zu dieser Zeit ging es auch los, dass ich gemobbt wurde für mein Aussehen. Dies ließ ich einfach jahrelang über mich ergehen und steckte es einfach weg in dem Glauben ich hätte es verdient und ich wäre einfach hässlich. Ich hatte schon immer diese großen Augen & Lippen mit ziemlich großen Zähnen und war allgemein einfach sehr klein und schmächtig. Mit 8 bekam ich eine Brille, was meine Erscheinung wohl noch mehr zum Grund für Belustigungen der anderen Kinder machte.

Dieser Spaß zog sich über meine gesamte Schulzeit, da der Initiator nach der 4.ten Klasse auf dasselbe Gymnasium ging wie ich. Schnell reihten sich andere Jungs in den Reigen ein, sich über das “Sams”, “Samson” oder “Semmelbrösel” lustig zu machen. Und ich sagte nichts, nie sagte ich etwas dagegen & wenn ich mal den Mut hatte wurde es nicht besser, sondern gab ihnen noch mehr Zündstoff. Es war die Hölle, ich wurde immer genauesten beobachte – was ich an hatte, wie ich mich verhielt und was ich sagte. Und alles gab die Grundlage für Belustigungen. In meiner Emo Phase verschlimmerte sich das alles noch extremer und ich war dauerhaft krank (auch körperlich) durch diesen enormen Kraftakt mich diesem Druck jeden Tag auf’s Neue auszusetzen. Dadurch hatte mein Selbstbild einen gehörigen Knacks weg.

Nachdem ich durch die Musik, die ich damals hörte, mehr Bestätigung bekommen hatte, fühlte ich mich etwas wohler mit mir selbst. Bandshirts wurden mein tägliches Versteck und die Kopfhörer mein Schutzwall. Ich kämpfte mich irgendwie durch. Als ich später anfing ich tätowieren zu lassen, kam auch etwas mehr Selbstbewusstsein dazu. Ich verschönerte meinen Körper, für mich & ich fühlte mich etwas wohler in meiner Haut. Je mehr Tattoos dazu kamen, je mehr stieg mein Selbstbewusstsein. Ich überdeckte meine Narben an den Oberschenkeln und konnte so für mich die Zeit der Selbstverletzungen begraben unter Dingen, die ich liebe – Morrissey & Akte X.

In den letzten zwei Jahren habe ich schon mehr an der Akzeptanz & Liebe zu meinem Körper gearbeitet. Ich habe in dieser Zeit viel gelernt, über mich, meinen Körper & meine kleinen Problemchen. An manchen Tagen fällt es mir trotzdem noch schwer, mich morgens anzuziehen und nicht beim Blick in den Spiegel zu verzweifeln. Durch meine Medikamente habe ich über 12 Kilo zugenommen, was mir immer noch schwer fällt zu akzeptieren. Ich war mit meinem Gewicht immer knapp vor dem Untergewicht, ich hatte nie einen sichtbaren Bauch oder Brüste. Jetzt habe ich etwas mehr davon, aber eigentlich ist es auch okay. Denn so bin ich nun mal und es ist scheißegal ob in der Hose eine 34 oder eine 40 steht.

Ich bin auf einem guten Weg mich zu akzeptieren und zu lieben. Es braucht viel Arbeit und Übung aber das ist es wert, denn man verbringt sein ganzes Leben mit sich selbst. Und das sollte man positiv wie möglich gestalten und sich nicht dauerhaft im Krieg mit sich selbst und seiner Erscheinung verbringen. 

Im Rahmen des Selflove Specials freue ich mich über jeden der/die* gerne die eigene Geschichte zu dem Thema teilen würde. Tipps oder Inspirationen, die einem selbst geholfen haben sind immer willkommen. Wenn du also Lust darauf hast, schreibe mir einfach eine Mail!

Alle Bilder in diesem Post stammen von meinem Instagram-Account (www.instagram.com/candywasteland).

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